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Gedanken zum Pferdekauf

Man sagt, Pferdekauf sei ein wenig wie heiraten, man weiß erst hinterher, was man sich eingehandelt hat. Allerdings gibt es auch Mittel und Wege, wie man das Risiko, die Katze im Sack zu kaufen, minimieren kann.

Wenn man ein Pferd gefunden hat, daß für einen Kauf in Frage kommt, sollte man unbedingt eine große Ankaufsuntersuchung, im Reiterslang auch "TÜV" genannt, machen lassen. Diese Untersuchung, in ihrer intensiven Form auch mit Röntgen der Beine, vermeidet unschöne Überraschungen bzgl. des Gesundheitszustandes des Pferdes. Sie kostet je nach Umfang und Tierarzt ab 50 Euro, kann diesen Betrag aber auch deutlich übersteigen. Aber was sind schon die paar Euro gegen den Ärger und potentielle Folgekosten beim Kauf eines kranken Pferdes?

Aber nicht nur der Gesundheitszustand des Pferdes ist wichtig, sondern auch der Charakter, Ausbildung und die Erziehung des Pferdes müssen zum Reiter passen. Ob die Chemie zwischen Zwei- und Vierbeiner stimmt, findet man am besten durch eine "Probezeit" heraus. Das will heißen, man nimmt ein Pferd, das für den Kauf in Frage kommt ersteinmal zur Probe mit nach hause. Die Probezeit sollte ca. 4 Wochen dauern, da man dem Pferd ja auch Zeit zur Gewöhnung an die neue Umgebung geben muß. So hat man genügend Zeit, das Pferd und seine Eigenheiten in aller Ruhe kennen zulernen. Ein seriöser Pferdeverkäufer wird diesem ohne weiteres zustimmen.

Vor diesen 4 Wochen sollte mann sich im Klaren sein, was man überhapt will und dann das Pferd genau beobachten, ob es dem eigenen Bedürfnissen entspricht. Will man ein spritziges Pferd und ist schon nach ein paar Tagen völlig entnervt von dem Schneckentempo, daß es an den Tag legt? Oder hat man bei jedem Schritt, den der Zosse tut, Angst um sein Leben, da man nicht auf dem braven Kumpel sitz, sondern auf einem feurigen Höllenroß? Dann sollte man von einem Kauf tunlichst Abstand nehmen.

Aber nicht nur das Temperament des Pferdes sollte zum Reiter passen, auch noch andere Eigenschaften sind wichtig. Entspricht der Ausbildungsstand des Pferdes den Vorstellungen des Reiters? Hat das Pferd genügend Entwicklungspotential, sprich kann es von seinem Exterieur und seiner Intelligenz überhaupt das leisten, was der zukünftige Reiter von ihm erwartet? Oder ist es etwa gar unterfordert mit seinen neuen Aufgaben und wird sich langweilen und daraus Unarten entwickeln? Ist das Pferd für die ihm zugedachte Haltungsfrm geeignet? Nicht jedes Pferd verträgt es 23 Stunden in der Box eingesperrt zu sein, aber auch nicht jedes, wenn auch fast jedes verträgt einen harten Winter im Offenstall.

Problematisch ist immer der kauf eines Pferdes beim Pferdehändler. Viele Details der Vorgeschichte des Pferdes, wie traumatische Erlebnisse, Unfälle oder Krankheiten sind nicht bekannt oder werden verschwiegen. Deshalb sollte man nie ein Pferd ohne Papiere und Equidenpass von einem Händler kaufen. Die Papiere, sofern sichergestellt werden kann, daß sie tatsächlich auch zu dem entsprechenden Pferd gehören, geben Auskunft über genaue Herkunft, Abstammung und Alter des Pferdes. Der Equidenpass, richtig gepflegt, gibt Auskunft über die Krankheitsgeschichte des Pferdes.

Wer gut genug Reitet, oder über genügend Geld verfügt dem Pferd eine professionelle Ausbildung angedeihen zu lassen kauft sich am besten ein relativ junges Pferd von einem Züchter. Allerdings sollte man sich auch hier die Aufzuchtmethoden genau erläutern und zeigen lassen, dann auch hier gibt es noch schwarze Schafe, die nichts von artgerechter Haltung wissen wollen.

Wer lieber ein schon etwas gesetzteres Pferd mit solider Grundausbildung möchte, kann sich entweder in Reitschulen umsehen oder private Angebote in Erwägung ziehen. Aber auch bei Reitschulen muß man vorsichtig sein, sich genau umsehen, am besten über einen längeren Zeitraum, ob kein Schindluder mit den späteren Verkaufspferden im Reituntericht getrieben wird.
Am besten ist es natürlich, wenn sich der Zufall ergibt und man die Möglichkeit hat, ein schon bekanntes Pferd zu kaufen, dessen Vorgeschichte und Eigenheiten man schon ein wenig kennt.

Idealerweise sollte man sich ein Pferd kaufen, von dem man sicher weiß, daß es eine gesunde Aufzucht genießen konnte. Es sollte gut gefüttert worden sein und möglichst im Offenstall aber zumindest mit ganz viel Freilauf aufgewachsen sein. Viele Verschleißerkrankungen lassen sich durch eine gesunde Aufzucht vermeiden. Denn die Knochen, Bänder und Sehnen erhalten ihre Festigkeit und Widerstandskraft durch gutes Futter und viel Bewegung im Fohlen- und Jungpferdealter.

Weiter ist beim Pferdekauf zu bedenken, daß es auch für den Reiter der richtige Zeitpunkt sein sollte, sich sein Pferd anzuschaffen. Man bedenke, daß man eine riesige Verantwortung übernimmt, und das öft mehr als zwanzig Jahre lang, ja nach Alter des Pferds zum Kaufzeitpunkt.
Man beachte auch, daß der Kaufpreis eines Pferdes, auch wenn es sehr guter Abstammung ist, wohl verschwindend gering ist, im Vergleich zu den Folgekosten und auch die Zeit, die man braucht, um sich gewissenhaft um seinen Pflegling zu kümmern nicht zu vernachlässigen ist. Stallmiete, Hufschmied, Tierarzt, Wurmkuren und Ausrüstung lassen ein ganz schönes Sümmchen zusammenkommen. Ein verantwortungsbewußter Pferdehalter wird wohl kaum an einem der Genannten Dinge sparen. Auch werden diese Kosten tendenziell steigen, denn je älter ein Pferd, desto krankheitsanfälliger wird es. Und was man durch schlechte Haltung einspart wird man hinterher durch den Tierarzt wieder los.

Die Entscheidung, ein Pferd zu kaufen sollte sich jeder gut überlegen und sich damit Zeit lassen. Ein Reitanfänger, sollte sich nicht gleich in der ersten Euphorie ein Pferd anschaffen, auch wenn er es sich leisten kann. Er tut dem Pferd nichts gutes und sollte ersteinmal in Ruhe den sicheren, fachmännischen Umgang mit dem Pferd verinnerlichen und abwarten, ob er dauerhaft für die Reiterei geschaffen ist. Auch sollten Eltern von Teenies sich nicht vom Entzücken über ihr Töchterlein hinreißen lassen und dessen sehnlichsten Wunsch erfüllen. Kinder entwickeln sich nicht gradlinig und mehr als die Hälfte der Jungreiter verliert das Interesse an den Pferden, sobald das andere Geschlecht interessant wird. Dabei spielt natürlich auch der Zeitfaktor eine Rolle. Spätestens bei Ausbildungsbeginn des Töchterleins stellt sich dann die Frage, was mit dem Pferd passieren soll.

Die Anschaffung des Pferdes sollte also gut überlegt sein. Nur wer genügend Verantwortungsbewußtsein hat und Zeit und Geld über Jahre hinweg investieren kann und will sollte den Schritt wagen.

We es sich gut überlegt und sich sicher ist, diese wunderbare Beziehung zu einem Pferd eingehen zu wollen, mit allen Konsequenzen, der wird auf dem Rücken seines Pferdes ein Stückchen Himmel auf Erden finden.


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