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Chiemsee Wanderritt 13.5. - 18.5.2005
Route: Neufarn bei Parsdorf - Stachet - Siferling - Fembach - Immling - Stachet - Neufarn
Hauptdarsteller:
Dorena ohne pferd, aber der beste Tross, den man sich vorstellen kann!
Olaf auf Dexta (Traber)
Michaela auf Rosso (Furioso-North Star)
Katharina auf Finn (Quarter Mix)
Dagmar auf Leisure Time (Warmblut)
Elke auf Rahzan (Achal Teke)
Malu auf Charly (Haflinger)
Liane auf Max (Quarter-Warmblut Mix) und Reitbeteiligung Katja
Hans auf Jesse James (Partbred Araber)
Renate auf Lucky Star Skip (Quarter) und Reitbeteiligung Anja
Doris auf Saladin (Araber)
Julia auf Ramira (Araber)
Bettina auf Bobby (Budjonny)
13.5. Der Aufbruch
Treffen um 7:30 im Stall. Das Frühstück steht schon bereit, es gibt, so wie an den folgenden Tagen auch, frische Semmeln mit Marmeladen, Nutella, Wurst und Käse. Der Kaffee ist frisch und belebt die Geister. Nach einem gemütlichen Frühstück und allgemeinem Proviant-Semmel-Schmieren wird das Gepäck in das Trossfahrzeug eingeladen, dann werden die Pferde gemütlich fertig zum Losreiten gemacht. Die angepeilte Abreitezeit (10:00 Uhr) verfehlen wir um eine halbe Stunde, aber alle Pferde sind frisch und gehen wacker vorwärts, so daß wir mittags wieder gut in der Zeit liegen.
Die erste Etappe führt uns durch den Ebersberger Forst an den Egglburger See. Dort machen wir Mittagspause. Die Pferde können grasen und an einem kleine Bachlauf saufen. Das ist den meisten Pferden allerdings noch nicht so ganz geheuer.
Als das Tossfahrzeug eintrifft gibt es auch Getränke für die Reiter und wir essen unter dem ohrenbetäubenden Geschrei der auf dem See brütenden Möwen unsere Wurstsemmeln.
Nach einer knappen Stunde geht es weiter Richtung Stachet. Wir müssen eine vielbefahrene Straße überqueren, aber trotz der vielen LKWs, die an uns vorbei donnern, klappt das ganz gut. Irgendwann stellen wir fest, daß auch die neuesten topografischen Karten nicht immer die Wahrheit sagen. Der Weg endete nun unvermittelt an einem frischangesähten Acker, in dem Hans mit Jesse fast versinkt. Über einen einen Graben hinweg , am Rand einer Wiese entlang gelangten wir wieder in den Wald hinein, auf den eigentlichen Weg zurück. Gegen 18:30 kommen wir dann an unserer ersten Unterkunft in Stachet an. Wir werden freundlich empfangen und fühlten uns auf dieser schönen Anlage sehr wohl. Nur mein Pferd ist mit seiner Unterbringung in der Box nicht so sehr einverstanden und schaut ein wenig sparsam. Da er aber ein sehr dominantes Tier ist und auf der Gemeinschaftskoppel draußen auch herdenfremde Pferde mit dabei sind, halten wir es für besser, ihn einzeln unterzubringen, damit es keinen Ärger gibt. Nach dem die Pferde versorgt sind gibt's Grillfleisch für die Reiter. Übernachtet wird bei Tiefsttemperaturen von 2-5 Grad in einem Mannschaftszelt auf dem Reitplatz.
Bilanz des Tages:
1 x Wildritt ohne Weg, da Karte veraltet,
3 x Anpfiff von Pferdefeindlichen Bauern, ohne daß wir uns einer Schuld bewußt gewesen wären.
14.5. Tag mit Hindernissen
Wir krabbeln frohen Mutes und bei strahlendem Sonnenschein in Stachet aus dem Zelt. Die Nacht war kalt und klar und die Luft ist toll. Nach dem ausgiebigen Frühstück werden die Pferde gesattelt und wie gestern machen wir uns eine halbe Stunde zu spät auf zur nächsten Etappe.
Am Vormittag führt uns der Weg über Feld- und Waldwege zur Innbrücke an der B15. Auf dem Radweg überqueren wir die große Brücke während LKWs an uns vorbeidonnern. Alle Pferde bleiben total cool.
Als wir unseren Mittagsrastplatz erreichen ist es furchtbar drückend und schwül geworden. Es ist zwar noch sonnig und heiß, aber man spürt, daß ein Gewitter im Anmarsch ist.
Gott sei Dank versorgt uns der Tross mit kühlen Getränken. Auch die Pferde sind so durstig, daß sie das Kühlwasser unserer Getränke aussaufen. Glücklicherweise ist in der Nähe ein Quelle und so wird Wasser geschleppt, bis alle Zossen ihren Durst gestillt haben. Nach ein wenig mehr als einer Stunde grasen und Wurstsemmelessen ging es dann weiter. Wir reiten durch einen wunderschönen, ziemlich hügeligen Wald. Hier gibts nochmal eine Furt in einem Bach, wo man ein wenig die Füße der Pferde kühlen kann und die Tierchen auch saufen können. Nach und nach lernen auch immer mehr Pferde aus Pfützen zu saufen...
Dann kommen wir an einen Weg, der auf beiden Seiten mit Weidezaun begrenzt ist. Leider sind auf der rechten Seite sehr neugierige Kühe, die ganz nah zum Zaun gestiefelt kommen. Der Hafi, der bis zu diesem Tag noch nie was von Kühen gehört hat, erschrickt sich vor ihnen, geht rückwärts und kommt an den Zaun auf der anderen Seite. Unglücklicherweise steht der Zaun unter Strom und er bekommt einen Stromschlag. Da geht der Hafi durch und schleift den Zaun mitsamt 3 Zaunpfählen mit sich. Die Reiterin sitzt mittlerweile im Gras wie Häschen in der Grube. Ein anderes Pferd hat wegen der ganzen Aktion so einen Schreck bekommen, daß es auf der anderen Seite durch den Zaun in die Kuhwiese springt. Gott sei Dank ist der Hof nicht weit und der Bauer kommt auch schon angerannt um seine Kühe wieder zu umzäunen. Er ist verständlicherweise nicht begeistert. Wir entschuldigen uns und kommen selbstverständlich für den Schaden auf. Als sich alle wieder gesammelt haben und auch der Hafi wieder eingefangen ist, geht es weiter. Das Gewitter ist nun schon ziemlich nahe. Der Hafi geht den Rest des Tages mit seiner Reiterin auf dem Rücken als Handpferd vom Hans mit, da sowohl Pferd als auch Reiter ein wenig durch den Wind sind.
Kurz nach diesem Zwischenfall, der die einzige brenzlige Situation des Rittes bleiben sollte, bricht das Gewiter los. Zum Glück kommen wir bei einem sehr netten Bauern vorbei, der uns in seiner Maschinenhalle Unterschlupf gewährt. So können die Männer mit dem Bauern über Traktoren fachsimpeln und der Rest sich noch ein wenig von dem Schreck erholen. Wir haben aus dem Zwischenfall sehr viel gelernt und sind nun auf dem Rest des Rittes umsichtiger an potentiellen Gefahrenquellen.
Als der Regen nachläßt, bedanken wir uns für den Unterstand und reiten ohne weitere Vorkommnisse zu unserem 2. Quartier, ein wunderschöner Hof in Siferling bei Bad Endorf. Leider kommen wir mit der Betreiberin nicht klar, die uns auf einer sehr sumpfigen Wiese unterbringen will. Als wir sie nach Alternativen fragen, verlangt sie dann plötzlich fast doppelt soviel Geld wie vorher ausgemacht war. Zwar gibt eine Dusche, aber scheinbar sollen wir sie nicht benutzen. Am nächsten Morgen fragt eine Mitreiterin, was ihr Pferd zu fressen bekommen hat und wird daraufhin beschuldigt, die Beteriberin kontrollieren zu wollen. Wir bekommen vorgeworfen, den Leuten das Pfingstfest versaut zu haben und ein Verlustgeschäft zu sein. Als wir dann den erhöhten Preis bezahlen, sollen wir für zwei Leute, die uns über Nacht besucht haben, noch extra bezahlen. Das war echt die Höhe. Die beiden hatten keine Pferde dabei, eine hat mit uns in der Reithalle geschlafen, der andere in seinem Auto. Dafür muß man wirklich nicht nochmal den vollen Preis verlangen!
Aufgrund dieser Erfahrungen machen sich Dorena und Kurt auf den Weg um für den Heimweg ein neues Quartier zu besorgen, damit wir nicht mehr, wie geplant auf dem Rückweg bei diesem Hof übernachten müssen. Bestärkt durch das Urteil von Hans werden sie auch schnell fündig und alle sind froh, au dem Rückweg dort nicht mehr übernachten zu müssen.
15.5. Ankunft am Ziel
Nach dem Frühstück machen wir uns diesmal pünktlich um 10 Uhr auf in Richtung Chiemsee. Das Wetter ist nach dem heftigen Regen am Abend wieder wunderbar, alle sind guter Dinge aber es herrscht immer noch Kopfschütteln über die Leute von unserem letzten Quartier.
Die Mittagspause ist an einem See der Sieben-Seen-Platte geplant. Diese ist landschaftlich wunderschön, nur ist sehr viel Fußgänger- und Radfahrerverkehr auf den schmalen Wegen. Kurz vor der Pause saufen alle Pferde gleichzeitig aus einer großen Pfütze. Ein Bild für Götter! Getränke und Tränkeeimer wurden von unseren wackeren Trossern an Ort und Stelle gebracht und der Weg dorthin markiert, nur leider von uns nicht gefunden. Daraufhin beschließen wir, den idyllischen Wald mit den Seen hinter uns zu lassen und als Pausenplatz eine Wiese zu suchen, wo die Pferde ein wenig grasen können. GAnschließend geht es weiter Richtung Fellbach.
Gegen 16 Uhr sind wir bereits am Ziel und werden herzlich empfangen. Eine wahre Wohltat nach den Erfahrungen vom Vortag. Die Pferde werden auf schönen Paddocks untergebracht und die Stallbetreiberin hilft uns sogar mit dem Wasserschleppen. Nach ein wenig Chillout, einem Willkommensgetränk und einer Dusche geht es dann mit den Trossfahrzeugen nach Gstad an den Chiemsee zum Essen. Wir haben einen Tisch im Wirtshaus am See reserviert und sind mit der Wahl sehr zufrieden.
Geschlafen wird in der funkelnagelneuen Reithalle des Hofes.
16.5. Auf dem Weg ins Paradies
Am nächsten Tag machen wir uns ganz entspannt fertig für den Rückweg. Für einen kleinen Plausch mit der Stallbesitzerin, die wirklich sehr nett ist, ist auch noch Zeit. Dexta ist heute empfindlich am Rücken. Da uns die Bewegung ohne Sattel für das Pferd am besten erscheint, nimmt Olaf heute Schusters Rappen. Sein Glück, daß die Tagesetappe nur 20 km beträgt. Wir finden ohne Probleme den Weg zurück, diesmal nicht nach Siferling, sondern zu unserer Alternativunterkunft auf Gut Immling. Diese Unterkunft erscheint uns als Geschenk des Himmels. Wir finden eine Idylle vor, wie man sie sonst nur aus Büchern kennt. Der Besitzer, ein Opernsänger, mit einem riesengroßen Herz für Tiere, betreibt dort einen Gnadenhof. Er rettet Pferde aus Schlachttransporten und bereitet ihnen einen schönen Lebensabend. Wir werden bei unserer Ankunft herzlichst begrüßt. Für alle Pferde sind schon Boxen bereitet, Futter hergerichtet und die Tränken saubergemacht und bis zum Rand gefüllt. Wir können in einem kleinen Konzertraum neben Klavier und Flügel übernachten und haben auch Dusche und Reiterstüberl zur freien Verfügung. Die Stimmung ist gut und wir genießen die Ruhe des Ortes.
Als wir unsere Pferde noch für 2 Stunden auf die Weide bringen wollen,bemerken wir, daß der Haflinger Koliksymptome zeigt. Er bekommt Kollosan und wird geführt. Auch hier bietet der Gutsbesitzer wieder seine Hilfe an oder fragt, ob er einen Tierarzt holen soll. Zum Glück wird der Tiearzt nicht benötigt, nach einiger Zeit beruhig sich das Hafi-Bauchgrimmen, die Verdauung funktioniert und er sieht auch wieder besser aus. Wir beschließen, daß es wohl reicht, ihm über Nacht kein Fressen mehr zu geben.
17.5. Zurück nach Stachet
Am nächsten Morgen sieht der Hafi wieder gut aus, er bekommt Mash und eine Handvoll Heu und frißt mit Appetit. Wir sind immer noch überwältigt von der Idylle auf dem Hof und lassen zusätzlich zur ausgemachten Bezahlung noch einen Hut herumgehen, als Spende für den Schutzhof.
Auf leicht abgeänderter Route machen wir uns dann zurück auf den Weg nach Stachet. Dies ist wohl der anspruchsvollste Wegabschnitt. Er beinnhaltet die Überquerung belebter Straßen und führt vorbei an einem Krankenhaus, an dem uns auch prompt ein Sani entgegenkommt, glücklicherweise ohne Blaulicht und Martinshorn. Danach folgt auch noch die Überquerung des Inns auf der B15.
Das alles stellt für uns bein Problem mehr da und das Pferd Jesse erinnert sich an jede Einzelheit des Wegs und leitet uns sicher zurück.
In Stachet angekommen quartieren wir uns diesmal in der Reithalle ein, damit wir uns das Aufstellen der Zelte ersparen. Auch jetzt werden wir wieder freundlich empfangen, können uns am Futter selbst bedienen und grillen auf einer herrlichen Veranda am Reitplatz. Wir wagen es, mein Macho-Pferd mit allen Stangl-Pferden auf eine Weide zu lassen und es gibt keinerlei Gerangel.
Während die Pferde grasen, grillen die Reiter ihr Grillfleisch. Später, als die Überreste des Grillens und auch die Pferde verstaut sind, lassen wir uns in der Reithalle zur Nachtruhe nieder. In der Nacht fängt das regnen an.
18.5. Heimwärts
Als ich aufwache denke ich, wir campieren nahe an einem Wildbach, dann merke ich, daß das kein Wildbach ist, sondern der Regen. Ich gehe zu den "sanitären Einrichtungen" und bin eigentlich schon patschnass. Wir frühstücken im Reiterstüberl des Stalls und keiner hat so richtig den Antrieb zum Losreiten. Schließlich sind dann doch alle fertig und wir machen uns im strömenden Ragen auf den Heimweg. Wir beschließen keine Mittagspause zu machenum so schnell wie möglich heimzukommen. Nach ca. 5 Stunden Reitzeit mit kleinen Pausen, in denen die Pferde kurz grasen durften, ind wir endlich zu hause in stanglischen Stall angekommen. Dieser Tag war wohl nicht optimal, aber alle haben ihn mehr oder weniger gut überstanden. In meinen Schuhen stand das Wasser bis zum Schaft, aber wir waren wieder zurück und auch dieser Tag war alles in allem ein tolles Erlebnis.
Fazit:
Es war ein toller Wanderritt. Die Gegend war der absolute Traum. Die Truppe hat super zusammengepaßt, es gab bis auf Kleinigkeiten, kaum Unstimmigkeiten zwischen den Leuten. Man hat viele Menschen genauer kennengelernt, hat viele positive Erfahrungen und viel an Menschenkenntnis gewonnen. Durch die Gespräche vor, während und nach den Ritten der eigene Horizont erweitert. Jeder hat sein Pferd besser kennen gelernt und einiges an Erfahrung gewonnen.
Beim nächsten Ritt würde ich persönlich einiges anders machen, was will ich hier nicht breittreten, denn alles in allem war es super Ritt (wer sich dafür interessiert, schreibe mir eine Mail).
Happy Trails,
Michaela
Wer nähere Informationen wünscht oder Anmerkungen hat, kann mich gerne eine Mail schreiben:
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